Hoffmann:
Wenn ich mir das erste Adventswochenende ansehe, da laufen wir entgegen dem Trend, den der Handelsverband für Baden-Württemberg und Nordbaden ermittelt hat. Wir hatten hier in Q 6 Q 7 ein schönes zweistelliges Plus in der Frequenz. Ich denke, dass das auch die nächsten Wochen so sein wird. Da zahlt sich aus, dass das Quartier weihnachtlich geschmückt ist und dass wir unsere Aktionen und Events nichtzurückgefahren haben. Und auch die ersten Stimmen vom Mannheimer Handel waren sehr positiv. Für den gesamten Handel sind wir vom Verband etwas verhalten. Wir hoffen auf ein leichtes Umsatzplus gegenüberdem Vorjahr. Das ist ja auch die Prognose vom HDE für ganz Deutschland.
Nach dem Auslaufen der Corona-Maßnahmen hat sich die Mannheimer Innenstadt verändert. Nicht unbedingt zum Guten, viele Marken haben die Stadt verlassen, es gibt einige Leerstände. Wie bewerten Sie die Lage des Handels und der Innenstadt?
Hoffmann:
Wir sind ja in der glücklichen Lage, dass wir hier das Oberzentrum waren und auch weiter sind. Wir haben natürlich Kaufkraftverluste, die Statistiken haben wir ja mehrfach vorgestellt. Unsere Umfrage bei den Menschen, die nicht nach Mannheim kommen, hat ergeben: Die Händler und Gastronomen machenihren Job. Aber die Stadt soll doch bitte dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen passen, vor allem die Erreichbarkeit für den Individualverkehr und den ÖPNV sowie die Themen Sauberkeit und Sicherheit. Insofern bin ich da guter Dinge und sehr positiv, dass das funktioniert.
Zur Sauberkeit hat mich eine Münchnerin angesprochen, die hier ihre Wurzeln hat. Mannheim sei so dreckig. Sie sei geschockt gewesen, als sie das letzte Mal hier war. Ähnliches hört man immer wieder von Besuchern. Wieso tut sich da nichts?
Hoffmann:
Ich formuliere es mal positiv: Obwohl wir als Q 6 Q 7 für die Gehwegreinigung laut Gehwegsatzung zahlen, haben wir einen eigenen Reinigungsdienst. Wir investieren jedes Jahr noch mal einen hohenfünfstelligen Betrag, um rund um das Quartier die eigentlich öffentlichen Flächen wie den Münzplatz sauber zu halten. Sicherlich muss man auch an der einen oder anderen Stelle mal sagen: Liebe Besucher, Kaugummi und eine Kippe gehören nicht auf den Boden geschmissen. Das ist eine Einstellungssache, es gibt aber auch einen entsprechenden Strafenkatalog, den man umsetzen muss.
Der aber nicht umgesetzt wird, weil nicht kontrolliert wird?
Hoffmann:
Die Stadt hat die Verantwortung, für Sauberkeit zu sorgen. Und da kann sie noch deutlich mehrtun. Das ist auch die Erwartungshaltung, die wir als Handel haben. Eine Verpackungssteuer ist da sicherlichder falsche Ansatz. Denn es gibt jetzt schon die unterschiedlichsten Steueransätze und Gebühren, die eigentlich sicherstellen, dass die Straße sauber sein sollte.
Wie wichtig ist es für Mannheim, dass das Galeria-Kaufhaus am Paradeplatz gerettet wurde?
Hoffmann:
Ich habe ja eine persönliche Verbindung (Anm. Hoffmann war dort bis 2012 Geschäftsführer) zu dem Haus. Ich glaube fest an das Warenhaus. Man muss nur den handelnden Personen auch die Möglichkeiten geben, dass man das aktuell und adäquat darstellen kann. Dann funktioniert das auch. Und klar, fürMannheim ist das an der Stelle ein wichtiges Haus.
Wie würden Sie den Handelsmix jetzt in Mannheim bewerten?
Hoffmann:
Aus der eigenen Erfahrung kann ich sagen: Der, der ein Weihnachtsgeschenk sucht, findet über alle Produktgruppen ein ausreichendes Angebot. Das Schöne ist ja, dass wir hier auf relativ kurzem Wege – nämlich zwischen Wasserturm und Paradeplatz mit den Seitenstraßen – das komplette Angebot abbildenkönnen.
Aber das gibt es online auch.
Hoffmann:
Die Wachstumsraten stagnieren ja sowohl online als auch stationär parallel. Aber wir haben dieMöglichkeit, direkt am Kunden zu arbeiten, ihn mit Beratung und dem richtigen Angebot vom Besucherzum Kunden zu konvertieren. Wir sehen in Q6 Q7, dass es auch immer wichtiger wird, das Sortiment schärfer auf die eigene Zielgruppe, das eigene Kundenprofil zuzuschneiden. Je besser das einem Store gelingt,desto höher ist die Frequenz. Wir müssen von der üblichen Beliebigkeit in den Fußgängerzonenwegkommen.
Haben Sie da ein Beispiel?
Hoffmann:
Nehmen Sie Sally, die als erfolgreiche YouTuberin vor vier Jahren hier einen Laden mit Haushaltswaren eröffnet hat. Das läuft sehr gut, weil die Leute sie von Social Media kennen, aber das Erlebnisvor Ort haben wollen. Oder Baby-Walz mit jungen Familien als ganz scharf zugeschnittenem Kundenprofil,das viel Service möchte. Im Grunde braucht es weder einen Handelsverband noch eine Werbegemeinschaftdafür, dass jemand in oder vor seinem Laden etwas für seine Kunden tut. Da ist jeder selber verantwortlich,aber es hilft gleichzeitig auch den anderen Händlern. Wenn Engelhorn zum Beispiel eine Aktion am Wochenende macht, bringt das der ganzen Innenstadt etwas.
Sie haben seit zwei Jahren einen großen Ankermieter mit Media Markt. War das die richtige Entscheidung?
Hoffmann:
Wir haben dafür noch mal dramatisch in die Struktur eingegriffen, indem wir Flächen zusammengelegt haben. Aber wir sind glücklich, dass wir Media Markt bei uns im Haus haben. Wir haben hier 89Wohnungen, wir haben Büromieter, die versorgt werden wollen. Außerdem leben knapp zehn Prozent derEinwohner im Innenstadtbereich. Wenn sich der Händler entsprechend darauf einstellt, hat er alle Möglichkeiten, die Umsätze mitzunehmen. Man sieht es auch am Bauhaus in R 5, dass spezielle Innenstadtkonzepte funktionieren.
War der aufwendige Umbau für Media Markt und die Zusammenlegung von Flächen die einzige Möglichkeit,in der Mall die Ladenflächen wieder belegen zu können?
Hoffmann:
Zu der Zeit ja. Man muss ja sagen, dass die Erstkonzeption der Mall von 2007 stammt. Seitdemhat sich viel verändert, was Strukturen innerhalb von überdachten Shopping-Destinationen angeht. Es warschon sehr visionär, so ein Stadtquartier multifunktional zu bauen, mit Wohnungen, Ärzten, Fitness, Parken und Hotel. Da waren wir schon sehr, sehr weit. Aufgrund der Umwälzung – einige Player wie Esprit oderGerry Weber sind vom Markt verschwunden oder haben sich zurückgezogen – muss man das jetzt anpassen.Wir werden sicher an der einen oder anderen Stelle noch mal was Neues sehen.
Was ist denn neu?
Hoffmann:
Nehmen Sie Sandbox VR. Das ist ein Virtual Reality Erlebnis, da kann man aus neun Inhalten von Geschicklichkeit bis Zombie-Bekämpfen auswählen und ist dann eine Dreiviertelstunde bis Stunde da-mit beschäftigt. Das ist wirklich sehr erfolgreich in einem Einzugsgebiet von bis zu 200 Kilometern.
Man sieht trotzdem einige leere Flächen in der Mall. Wann werden diese wieder belegt sein mit neuen Mietern?
Hoffmann:
Aktuell haben wir fünf Flächen nicht bespielt. Was mich aber ein Stück stolz macht, ist, dass wires geschafft haben, im achten Jahr fest in der Stadtgesellschaft verankert zu sein. Ein gutes Beispiel dafürist das Studio Herrlichkeit der evangelischen Kirche, das bei uns aufgemacht hat. Die hätten sich frühervielleicht gar nicht getraut, uns anzusprechen.
Bei der Gastronomie scheint es nicht so recht zu laufen. Oh Julia hat sich zurückgezogen und im Untergeschoss gibt es nur noch einen Anbieter. Kommt da ein neues Konzept?
Hoffmann:
Oh Julia und das Angebot im Untergeschoss waren von einem Betreiber, da gab es eine Insolvenz. Das ist ein juristisch vorgebendes Verfahren, da sind wir nur Beobachter. Nichtsdestotrotz fokussie-ren wir uns auf die Entwicklung neuer Gastrokonzepte und prüfen, was es für Möglichkeiten gibt, wenn wirwieder über die Flächen verfügen können.
Das heißt, Sie können da gar nichts machen?
Hoffmann:
Im vom Gesetzgeber vorgegebenen, sehr engen Rahmen versuchen wir natürlich, so schnell wiemöglich zu einer Lösung zu kommen.